Intertextuelle Bezüge im Comic
Providence
Alan Moores und Jacen Burrows Comic-Reihe Providence ist nicht nur eine Hommage an H. P. Lovecraft selbst, sondern auch ein Füllhorn intertextueller Bezüge auf dessen Romane und Kurzgeschichten. Vom Jenseits erhält gleich zu Beginn des dritten Bandes eine entsprechende Würdigung.
Reporter Robert Black ist in Providence angelangt und macht dort die Bekanntschaft von Mr. Henry Annesley, dem Cousin eines gewissen Wallace Tillinghast. In der ersten Fassung von Vom Jenseits hieß Crawford Tillinghast (C. W.) ebenfalls noch Henry Annesley, bevor Lovecraft den Namen in Anlehnung an die Provinzen Crawford und Tilinghast (vgl. Der Fall des Charles Dexter Ward) änderte. An späterer Stelle kann man im Comic auf einem Straßenschild erkennen, dass das Haus von Annesley wie das von C. W. in der Benevolent Street liegt.
Abweichend von Lovecrafts Kurzgeschichte trägt der Wissenschaftler hier allerdings eine Brille, bei der es sich, gemäß Annesleys eigener Aussage, um einen selbst entworfenen Prototyp handele, der es ermögliche, "Licht jenseits der violetten Frequenzen und nach darüber hinaus einzufangen". In seinem Haus finden sich aber auch Gerätschaften, die der Beschreibung der Maschine in Vom Jenseits ähneln. Moore und Burrows geben sich viel Mühe, im Hintergrund detailliert Apparate darzustellen, denen man das charakterische Summen und Klappern zutraut. Auch die "Glaskolben" an der Decke und ein angeschlossener Filmprojektor rekurrieren auf Darstellungselemente der literarischen Vorlage.
Bild: Alan Moore, Jacen Burrows: Providence Band 3, Panini Comics 2017, ISBN: 9783741602405
Die Providence Reihe von Alan Moore und Jacen Burrows:
Alan Moore ist wahrscheinlich der profilierteste Comic-Autor aller Zeiten. Seine Comic-Reihe Providence, die das Werk von H. P. Lovecraft dekonstruiert und neu interpretiert, erzählt eine intensive Mythos-Geschichte.
Providence, Band 1
Der homosexuelle Autor und Journalist Robert Black soll den Hintergrund unheilvoller Ereignisse recherchieren, die in mit einem Buch im Zusammenhang stehen, das seine Leser angeblich in den Wahnsinn treibt. Seine Suche führt ihn von New York quer durch die Ortschaften und Geschichte von Neuengland. Geheime Höhlen von Schmugglern und halbmenschliche Begegnungen führen ihn immer tiefer in die dunkle Vergangenheit der Menschheit. Doch was hat die geheime Sekte Stella Sapiente mit all dem zu tun?
Providence, Band 2
In Manchester, New Hampshire, ist ein seltsamer Meteorit eingeschlagen, aber Robert Black hat ein anderes Interesse. Er möchte selbst einen Blick in das sagenumwitterte Buch über Die Weisheit der Sterne werfen. Allerdings scheint in dem ganzen Ort niemand ohne ein schreckliches Geheimnis zu sein, sodass Black nach Boston flieht. Dort machte er die Bekanntschaft des Ghoul-Malers Pitman und dem Autor Randall Carver, der ihn in die Welt von Lord Dunsany und H. P. Lovecraft einführt. Kann der Journalist die Grenzen von Realität und Wahn aber noch erkennen?
Providence, Band 3
In Providence trifft Robert Black schließlich auf Henry Annesley, der mithilfe der Wissenschaft außerdimensionalen Organismen sichtbar machen kann. In der St. John's Kirche, wo einst okkulte Treffen stattfanden, entdeckt der Journalist zudem einen leuchtenden Trapezoeder und macht nun auch persönlich die Bekanntschaft mit H. P. Lovecraft. Die Kreise um Stella Sapiente beginnen sich zu schließen. Steht der Menschheit die Apokalypse bevor? Fortan überschlagen sich die Ereignisse, die den Weg ebnen für The Courtyard und das Neonomicon …